Gossip Rueck











{April 30, 2012}   30 über Nacht plus 1

Das Leben ist wie ein runder Geburtstag: … Keine Ahnung warum, aber ist bestimmt so ;-)

„Neeeeiiiin, ich will noch nicht sterben!“
Drei Uhr morgens, schweißgebadet schrecke ich aus dem Schlaf, meinen eigenen Schrei noch in den Ohren. Mein Herz hämmert wie ein Presslufthammer. Das Echo des Alptraums von eben dröhnt noch durchs Schlafzimmer, ich sehe ihn immer noch vor mir:
Den riesigen Asteroiden, der mit Lichtgeschwindigkeit auf mich zurast, mich am Boden zu zerschmettern droht. Je näher er kommt, desto klarer erkenne ich seine wahre Gestalt, in Form einer überdimensionalen 30 …

Gut, das ist vielleicht ETWAS übertrieben, auch wenn dieser – zugegebenermaßen erfundene – Traum verdeutlicht, wie ich mich kurz vor dem dritten runden Geburtstag meines Lebens fühle.

Doch widmen wir uns zunächst einem viel freudigerem Jubiläum: Heute feiern wir die 52. Ausgabe, und damit ein Jahr Gossip Rück, woohoooo!! :-)
Ich danke euch allen von ganzem Herzen für eure Lesertreue in den vergangenen zwölf Monaten, euer Lob, eure Kritik und Kommentare, die mich immer wieder animiert haben, weiterzuschreiben. Wärt ihr jetzt alle hier, würde ich jeden Einzelnen von euch umarmen und knutschen, also seid froh, wenn ihr euch grad woanders rumtreibt! ;-)
Allerdings bedeutet das auch, ihr bekommt gerade kein Stück vom Geburtstagskuchen, den ich selbstverständlich gebacken habe … Wenn ihr wisst, wo mein Haus wohnt und mit den Konsequenzen eures Erscheinens leben könnt, teile ich aber natürlich gern.

Während Gossip Rück schon heute Geburtstag feiert, bleiben mir noch genau drei Wochen und zwei Tage bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem mein Wiegenfest sich zum dreißigsten Mal jährt. Nicht mehr 29, auch nicht 29a oder 29,99 plus Mehrwertsteuer, sondern schlicht und hart 30, da mache ich mir nichts vor.
Bedeutende Geburtstage gab es auch vorher schon in unser aller Leben. Den dritten zum Beispiel, als wir alt genug waren für den Kindergarten. Mit dem sechsten Geburtstag begann unsere Geschäftsfähigkeit, dicht gefolgt von der Schulzeit. Zehn, das bedeutete die erste Null, schon etwas Besonderes. Mit zwölf, erinnere ich mich noch, durfte ich endlich im Auto vorne sitzen und mit sechzehn offiziell den ersten Alkohol durch die Supermarktkasse schleusen. Der wichtigste Jahrestag kam natürlich mit achtzehn, ENDLICH volljährig! Eigene Entscheidungen treffen, offiziell erwachsen sein. Und noch viel erwachsener mit zwanzig, zumal wir dann in der Regel die Schulzeit hinter uns gelassen hatten.
Alles großartige Meilensteine im Leben, die uns stolz gemacht haben.
Aber was macht die 30 schon Tolles? Wie eine böse Vorahnung schwebt sie im Raum und lauert auf den B-Day, den Tag, an dem sie zuschlagen wird. Auch wenn am Ende vermutlich alles halb so schlimm wird (schließlich haben bisher alle mir bekannten Überdreißigjährigen diesen Tag überlebt), läuft mir jetzt ein Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke.

Aber was genau flößt vielen von uns an der 30 so viel Angst ein?
Zumindest für mich klingt alles unter diesem Alter noch so jung, als wäre einfach noch alles möglich, das Leben voller Optionen, denn es bleibt uns ja noch sooo viel Zeit.
Haben wir die Grenze jedoch erst einmal überschritten, ist es, als würden die Perspektiven sich über Nacht völlig verschieben. Dreißig klingt einfach, als müssten wir plötzlich unglaublich reif sein. Und das, obwohl meine geistige Reife sich seit meinem achtzehnten Geburtstag gefühlt jeder Weiterentwicklung verweigert hat. Außerdem klingt es auch so nach Familie!
Zumindest für uns Frauen beginnt die biologische Uhr zu ticken, die es irgendwie schafft, einen selbst dann unter Druck zu setzen, wenn man (frau) nicht mal einen unbedingten Kinderwunsch hegt! Die eigene Familie lässt einen das gern spüren. So wie meine Oma neulich: „Jetzt wirst du schon bald 30, und gerade kein Mann in Sicht?“
„Na und, Oma?“
„Naja …“
Glaubt mir, am schlimmsten war dieses „Naja …“, denn es wog schwerer als eine hundertseitige Anklageschrift.
Von solchen Szenen abgesehen, geben sie dir in der Drogerie plötzlich Proben für Antifaltencreme mit. Das Schlimme: Du wirst sie sehr bald brauchen!
Immerhin musst du auf Ü30 Partys keinen Eintritt mehr bezahlen, irgendwas Gutes muss das ganze ja haben. Außerdem ist 30 ja angeblich das neue zwanzig, wie uns vor zehn Jahren (als ich noch zwanzig war und die Darsteller schrecklich alt) schon „Sex and the City“ suggerieren wollte.
Vielleicht steckt ein Funken Wahrheit darin, das gefühlte Alter der Bevölkerung sinkt immer weiter. Dennoch sind die Zeichen der Zeit unverkennbar!

Letzte Woche haben wir im Kino beim „American Pie – Klassentreffen“ (Prädikat: extrem empfehlenswert!) nicht nur mit Jim, Stiffler, Heimscheißer und natürlich Stiffler’s Mum in ihren Highschool-Erinnerungen geschwelgt, sondern auch in denen an unsere eigene Oberstufenzeit. Und genau wie die Hauptfiguren haben auch wir uns gefragt:
„Verdammt, ist das wirklich schon so lange her?!“
Die Generation American Pie, das waren auch wir. Inzwischen werden wir von achtzehnjährigen Kids wie uns damals gesiezt. Autsch.

„Lächerlich“ würde meine Oma derartige Sorgen sicherlich finden. Sie hat am letzten Mittwoch ihren 85. Geburtstag gefeiert, da hat man schon ganz andere Probleme.
Tante Helga zum Beispiel. Die verputzt jedes Mal mindestens einen dreiviertel Kuchen allein und stellt eine unterhaltungstechnische Herausforderung dar.
Meine Mutter: „Tante Helga, wenn du mit dem Hörgerät eh nix hörst, dann nimm es doch raus!“
Tante Helga: „Waaaas??“
Meine Mutter: „Das HÖRGERÄT sollst du RAUSNEHMEN!“
Tante Helga (zu meiner Oma): „Sag mal, hast du verstanden, was sie nicht versteht?“

Von diesem Stadium sind wir zum Glück noch eine ganze Zeit entfernt. Bis es soweit ist, sind wir unter Umständen schon diversen hierzulande üblichen Geburtstagsbräuchen zum Opfer gefallen. Ist euch klar, dass wir, im Vergleich mit anderen Ländern, in Deutschland die mit Abstand merkwürdigsten und fiesesten Geburtstagstraditionen pflegen?
In Dänemark wird lediglich eine harmlose Flagge ins Fenster gehängt, Engländer backen Münzen, Fingerhüte und Süßigkeiten in den Kuchen ein, und in Mexiko bekommen Kinder eine mit Süßem gefüllte Piñata geschenkt.
Wir Deutschen dagegen bestrafen uns gegenseitig in regelmäßigen Abständen für das Fehlen eines Eherings an unserem Finger. So gibt’s am 25. Geburtstag einen Sockenkranz (hmmm, lecker) für Männer, einen Schachtelkranz für uns Frauen.
Zum 30. müssen die Herren in möglichst peinlichem Aufzug (zum Beispiel als Flugzeug verkleidet, bisher das beste mir bekannte Kostüm) die Rathaustreppe fegen, bis sich im Idealfall eine Jungfrau erbarmt und sie freiküsst. Derweil üben sich die Damen im Klinken putzen. Nur ob in diesem Fall auch eine männliche Jungfrau benötigt wird, konnte ich bisher nicht sicher herausfinden, ich befürchte jedoch, ich werde um den Praxisversuch nicht völlig herumkommen.
Noch hoffe ich allerdings auf eine Alternativaktion, die bringen ohnehin allen Beteiligten mehr Spaß. Wie bei einer Freundin, die so überzeugend auf männliche Campingurlauber eingeredet hat, bis die sich voller Begeisterung freiwillig von ihr in einen indischen Sari wickeln ließen (ich grinse übrigens gerade bei der Erinnerung).
Nur bis zum 40. sollte die Mission Trauschein möglichst erledigt sein, denn wer hat schon Lust, rückwärts auf einem Esel sitzend durch Hannover geführt zu werden? Andererseits, wo kann man heute noch einen Esel mieten …

Aber langsam, erstmal will das erste runde Katastrophenjubiläum geschafft werden. Nur wehe, du willst das auch noch groß feiern!
Vor eineinhalb Wochen in einem zentral gelegenen Jugendzentrum in Hannover. Perfekte Lage, schöne Umgebung, guter Preis. Voller Optimismus gingen wir zu zweit, denn ein gemeinsam gefeierter Dreißigster ist halbes Leid und doppelter Spaß, zur Raumbesichtigung. Lange konnte das ja nicht dauern, einmal durch die paar Räume, noch mal über den Termin und enthaltene Leistungen sprechen und dann endlich Wochenende und Mädelsabend einläuten. Schließlich war der Akku Freitag abends auch schon ziemlich leer.
Das Erscheinungsbild des Mitarbeiters, der uns begrüßte, schrie schon von weitem „Sozialpädagoge!“, doch das machte mich noch nicht übermäßig misstrauisch.
Erst als wir eineinhalb Stunden später mit einer Festplatte im Kopf, die nur noch „Error!“ zurückmeldete, wieder unseres Weges schlichen, wusste ich, ich hätte Angst haben sollen.

„Das Fenster hier drin geht nur einen Spalt breit auf, was aber nichts macht, weil hier alles gut isoliert ist. Das ist auch besser so, denn die Leute gegenüber sind sehr lärmempfindlich und rufen gern schnell die Polizei. Die ruft ihr dann besser auch, wenn sich Leute aus dem Biergarten nebenan einschleichen und versuchen, das Büro aufzubrechen. Und bei den Klos müsst ihr aufpassen, denn da wurzelt gern mal ein Baum in die Abflussrohre, und dann verstopft das alles …“
Unglaublich, was in einem Jugendzentrum – auch ganz ohne Zutun der Jugendlichen – passieren kann! Irgendwann vor der Renovierung, ja da wäre auch fast mal der Giebel eingestürzt.
„Macht nix“, sagt meine Freundin, „Mein Bruder ist Maurermeister.“
Ihr anderer Bruder ist praktischerweise Polizist. Das hört der Zentrumsmitarbeiter sehr gern, zumal wir mit knapp 30 ja noch zu einer Risikogruppe gehören und gern mal was beschädigen. Hm, ich fühl mich gar nicht wie eine Risikogruppe, aber wenn er das sagt …
Außerdem haben wir gelernt, es sei absolut fahrlässig, ja quasi Brandstiftung, wenn wir einen Grill nicht mindestens drei Meter vom Haus entfernt aufstellen, und überhaupt, für die Musikanlage sollte am besten jemand dabei sein, der ein Ingenieursdiplom gemacht hat …
Am Ende haben wir uns gar nicht mehr getraut, irgendwas anzufassen oder anzusprechen. Nicht, dass durch bloße Erwähnung noch der Erdboden das ganze Haus verschluckt hätte oder so.
Vom Problem der Terminfindung wollen wir gar nicht erst reden.
Unser Mädelsabend begann mit Aspirin und Cola light.

All das führt mich zu einer ganz neuen Theorie: Vielleicht ist es gar nicht das Alter an sich, vor dem sich so viele fürchten, sondern dieses ganze Fegen, Klinken putzen, Organisieren etc.! Schon allein beim Gedanken daran vergeht mir jede Lust, das nächste Jahrzehnt meines Lebens anzutreten.
Doch jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, deshalb gestalte ich mir diesen Schicksalstag in meiner Lieblingsstadt London so angenehm wie möglich. Unter Freunden, die mich, wenn die Stunde schlägt, seelisch auffangen und hoffentlich nicht mit dem Reinigen viktorianischer Türgriffe foltern.

So beginnt sowohl für mich als auch für Gossip Rück ein neuer Lebensabschnitt. Und da Leben Veränderung bedeutet, wird es auch bei Gossip Rück und mir Neuerungen geben:
Im letzten Jahr ist Schreiben für mich ein immer größerer Lebensinhalt geworden, in meinem Kopf warten mindestens drei Romane und andere Projekte auf ihre „Papierwerdung“.

Aus diesem Grund, aber auch, weil ich die (in euren Augen hoffentlich noch gute) Qualität von Gossip Rück beibehalten möchte, erscheint die nächste Ausgabe dieses Blogs am 28. Mai, und von diesem Zeitpunkt an zu jedem letzten Montag im Monat. Also noch mehr Zeit, sich auf den nächsten Lesestoff zu freuen ;-)

So, da das heutige Jubiläum auch noch mit Tanz in dem Mai zusammenfällt, wird jetzt hier Kuchen gegessen, Sekt getrunken und später getanzt, solange die Redaktion noch jung ist! Aber auch danach gilt: Solange ich mit der Supermarktkassiererin in Neuseeland beim Alkoholerwerb noch über mein Alter diskutieren muss, ist die Welt in Ordnung ;-)

xoxo und Prost!

P.s.: Die Kommentar Funktion scheint momentan etwas defekt zu sein, deshalb Kommentare, Anregungen etc. gerne per Email an gossiprueck@gmx.de

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{April 23, 2012}   Shop’n'Roll!

Das Leben ist wie eine Shoppingtour: Die riesige Auswahlpalette überfordert dich völlig, wenn du nach etwas Bestimmtem Ausschau hältst. Die besten Angebote dagegen springen dir nur ins Gesicht, wenn du gerade sowas von nicht auf der Suche bist …

Frauen und Shoppen, diese Begriffe gehören einfach zusammen. So wie Strand und Meer, Benzin und überhöhte Preise oder Aronal und Elmex. Wenn von Schuhen, Klamotten, Schmuck, Büchern, Accessoires oder – Gott bewahre – gar von IKEA die Rede ist, nehmen unsere Augen diesen glasigen Ausdruck an, beleuchtet von einem inneren Strahlen beim Gedanken an Konsumtempel voller potentieller Schnäppchen oder Boutiquen mit seltenen Schätzen, die nur auf uns und unseren Entdeckertrieb warten. Zwischen bunt gefüllten Regalen und Kasse sind wir völlig in unserem Element.

Die Gründe sind vielfältig. Schon als Kinder haben wir in Mamas Kleidern vorm Spiegel posiert, wir lieben die Verwandlung, die verschiedenen Persönlichkeitsfacetten, die in uns schlummern. Jedes neue Outfit verwandelt uns. Wir finden uns darin (hoffentlich) attraktiv und stärken so unser Selbstbewusstsein.
Aber Shoppen liegt uns auch buchstäblich im Blut, wenn ich genauer darüber nachdenke und nach einer plausiblen Erklärung für die weibliche Leidenschaft Nummer eins suche. Schließlich nahm das schöne Geschlecht schon in der Steinzeit unter Jägern und Sammlern schlauerweise die weniger riskante Aufgabe wahr und überließ die gefährliche Herumplagerei mit Mammut und Co lieber den Herren der Schöpfung.
Das Suchen nach den besten Gütern liegt also in unseren Genen. Und da Obst und Gemüse heute ganz langweilig im Supermarkt an bekannter Stelle und in guter Qualität auf unseren Einkauf warten, müssen wir unseren Sammeltrieb eben anderweitig ausleben. Logisch, oder?
Männer jagen Frauen oder Fußbälle, Frauen sammeln alles Schöne. Wir können also gar nichts dafür.
Ein bisschen Jagdtrieb steckt jedoch auch in uns, wenn wir nämlich etwas besonders schwer Erhältliches oder Teures zum Objekt unserer Begierde erklärt haben. Das behalten wir dann solange im Fokus, bis wir es schließlich mit ec- oder Kreditkarte „erlegen“ und es endlich heißt: „Meins? Meins! Meins!“

Andersrum steckt auch ein wenig Sammellust im Manne … Oder werden Briefmarken, Kronkorken, Musik, Fußball-Fanartikel, und im Zweifelsfall auch Frauen, aus männlicher Sicht doch eher zur Strecke gebracht?
Vielleicht erleuchtet mich ja mal ein Natural Born Hunter. Natural Born Shoppingbegleiter sind die meisten jedoch leider nicht.
So sehr wir Mädels uns unsere besser Hälfte auch als kompetenten Einkaufsberater wünschen würden, sehen wir doch eher, wie die Augen der Herren sich (anders als unsere eigenen) bei Erwähnung eines Innenstadtbummels zur Größe von Pizzatellern weiten. Darin zu erkennen ein klar lesbares P wie Panik und die hektische Suche nach einer ohnehin unglaubhaften Ausrede. Zum einen wird er die nächste Kreditkartenabrechnung noch vor dem Öffnen verbrennen müssen, und noch viel schlimmer: Er soll mit!
Im Stillen schickt er ein Stoßgebet zum Himmel, wir mögen nicht auch noch auf Idee kommen, nach einem neuen Outfit für ihn zu suchen.

Nach meiner Erfahrung ist die Umkleidekabine der natürliche Feind des Mannes. Als würden sie alle unter plötzlicher Klaustrophobie leiden, obwohl sie sich sonst ohne ein Wimpernzucken auch unter tiefergelegte Autos quetschen. Ausziehen, anziehen – wie anstrengend, was für eine Zeitverschwendung. Denkt er.
„Himmel, lass es Stil und ein wenig Eitelkeit regnen!“, denkt sie. Und am besten gleich noch eine Portion Wortschatz, der über „gut“ und „okay“ hinausgeht, den Antworten, die wir meist bekommen, wenn wir verzweifelt versuchen, aus einem Mann eine hilfreiche Meinung zu Kleidern und Schuhen herauszuprügeln. Nicht mal mit automatischer Tütentragefunktion (kurz AuTüFu) sind die meisten Kerle ausgestattet.
Aber vielleicht machen sie das auch extra, damit wir beim nächsten Mal gleich unsere beste Freundin mitnehmen. Was übrigens auch uns generell viel mehr Spaß macht, doch wir geben das starke Geschlecht in dieser Hinsicht einfach ungern auf. ;-)
Naja, „Männerparadiese“ wie bei IKEA für Kinder, nur mit Billardtisch und Bundesliga-Übertragung, werden ja zum Glück auch immer zahlreicher …

Doch halt, wie bei allem im Leben gibt es auch hier Ausnahmen von der Regel! Männer mit Geschmack und Freude daran, hübsche Frauen in tollen Klamotten zu bewundern, zu beraten und hinterher eine dankbare Umarmung sowie unsere höchste Anerkennung zu ernten. Die am Ende gar selbst noch Jeans und Schuhe für sich erstehen. Danke Jungs, für uns seid ihr wahre Helden!

Trotzdem gibt es Tage, da hilft alles nix. Ein neues Kleid für die anstehende „Hochzeit meines besten Freundes“ zum Beispiel muss her, aber auf den Kleiderbügeln der Geschäfte herrscht gähnende Durchschnittlichkeit. Kein Wow-Effekt in Sicht, bis du am Ende des Tages mit einer viel zu teuren Kompromisslösung nach Hause gehst. Wenige Wochen später stolperst du dann zufällig über DAS Kleid. Das wär’s gewesen! Warum konnte dieses Traumstück nicht zum richtigen Zeitpunkt deinen Weg kreuzen?
Vermutlich nicht, weil das Leben ungerecht und grausam ist, sondern weil du schon mit der inneren Einstellung „Au verdammt, wenn ich heute kein Kleid finde, bin ich verraten und verkauft und muss in meinem Mauerblümchen-Outfit von Tante Elses achtzigstem Geburtstag gehen!“ losgehst.
Im Idealfall soll die Wunschrobe auch noch in petrolfarbenem Chiffon glänzen, und überhaupt schwebt schon eine ziemlich konkrete Vision vor deinem geistigen Auge. Dementsprechend läufst du mit einer Art Tunnelblick (den gibt’s nicht nur bei Männern, die im fast leeren Kühlschrank die Butter nicht finden) durch die Läden und schenkst allem, was von deinem Idealbild abweicht, erstmal keine Beachtung. Folglich wirst du leicht enttäuscht, wenn kein Designer deine Vision vom perfekten Kleid erahnt und umgesetzt hat. Frechheit.

Wie sieht nun einige Wochen später das perfekte Kleid aus? Hm, vielleicht ist es rot statt petrolfarben. Und hängt außerdem in einem Geschäft, in dem du so ein Schmuckstück nie vermutet hättest! Auf deiner fieberhaften Suche vor der Hochzeit wärst du also nie hier vorbeigekommen oder hättest den roten Schatz einfach ausgeblendet.
Mit solchen Scheuklappen laufen wir wohl oft durchs Leben und rennen an dem vorbei, was uns glücklich machen würde. Faszinierend, wie diese Erkenntnis immer mal wieder Guten Tag sagt, weshalb sie schon in „Leben in der Pralinenschachtel“ auf den Tisch kam (falls sich jemand erinnert).
Deshalb könnten wir mühelos das Jahresgehalt eines Hannover 96 Spielers vershoppen, wenn wir im Prinzip gar nichts brauchen und aus diesem Grund für das gesamte Warensortiment offen sind. Mit dem ersten Teil in der Tüte ist meist der Bann gebrochen, ein Einkaufsrausch ergreift Besitz von uns, den nur die leise Stimme der Vernunft oder begrenzte Ladenöffnungszeiten stoppen können.

Nur Buchläden, die sind immer gefährlich! Zumindest für mich. Am besten betrete ich erst gar keinen, damit all die fremden Welten, die zwischen Buchdeckeln auf Entdeckung warten, mich erst gar nicht in die Kauffalle locken können. Hilfe!
Ähnliches gilt für CDs. Mediamarkt, ganz gefährlich, dabei können dort zwischen DVD’s und Playstation Spielen sogar Paare glücklich werden (Baumarkt wäre da übrigens auch noch eine Alternative)!
Doch im Zeitalter von ITunes auf dem Smartphone hilft auch der große Bogen um Elektrofachmärkte nicht mehr: Egal wo, mal eben ein heiß begehrtes Album runterladen geht immer. Was gibt es auch Schöneres als Musik? In meinen Augen kann da auch das tollste Partykleid nicht mithalten, nicht mal mein Lieblingsbuch.

Aus diesem Grund nimmt meine persönliche Shopping-Sucht gerade ganz andere Formen an. Obwohl, genau genommen handelt es sich um eine Art Rückfall.
Als Jugendliche habe ich auf vielen Konzerten getanzt und begeistert mitgesungen, danach war ich jedoch eine Zeitlang „trocken“, was die Besuche großer live Veranstaltungen angeht.
Himmel, dabei genieße ich nichts so sehr wie gute live Musik!
Es gibt Tage, die braucht kein Mensch. Wenn am Abend jedoch Musiker auf der Bühne all ihre Leidenschaft in jeden einzelnen Ton legen, entschädigt mich das für jeden Frustmoment in den Stunden zuvor. Wenn der Sound meine Ohren und meine Seele streichelt und in jede Zelle meines Körpers zu dringen scheint, bis er alles andere für die Dauer eines Songs, vieler Songs, auslöscht.
Nach diesem Gefühl bin ich definitiv süchtig. Die Shows der großen Künstler verstärken heutzutage auch die optische Faszination. Wenn ich an den Coldplay Auftritt vor zwei Jahren denke, die unzähligen gelben Ballons und Glitzerpartikel, die beim Song „Yellow“ in den Himmel stiegen, bekomme ich immer noch Gänsehaut.
Oder das „Rock Anthems“ Konzert von Stargeiger David Garrett, erst vor ein paar Tagen. Hätte es auf der Video-Leinwand und auf der Bühne nicht so viel Schönes und Lustiges zu sehen gegeben, ich hätte die ganze Zeit mit geschlossenen Augen dasitzen und lauschen können. Klassik und Rock sind Seelenverwandte. Diese Erkenntnis hatten mir auch schon Apokalyptica mit ihrer Version von „Nothing else matters“ beschert. Beide für sich können wunderschön sein, doch es musste erst ein liebenswerter Aachener mit einer verrückten Version grenzenloser musikalischer Kombinationsmöglichkeiten kommen, um diese „starcrossed lovers“ endlich dauerhaft zu vereinen. Thanks man, you rock! … Nur bei deinen Anekdoten klingst du noch ein bisschen wie Rüdiger Hoffmann … ;-)

CDs und DVDs stellen niemals eine befriedigende Ersatzdroge dar, Bühnensound lässt sich nicht nachahmen. So zähle ich die Tage bis zum nächsten live Erlebnis … Wobei man oft ganz schön lange zählen kann, denn inzwischen werden Touren ja schon fast Jahre im Voraus geplant! Die Zahl der Tage entspricht leider auch allzu oft der Höhe der Ticketpreise, da darf ich echt nicht drüber nachdenken.
Noch 152 Tage übrigens bis Coldplay, 233 bis Stanfour, 234 bis zur Aida Night of the Proms und 369 Tage bis David Garrett 2013 .. ;-)
Aber ohne Ziele wäre das Leben halb so schön, und solange das Konto schwarze Zahlen schreibt (nur dann!!), gilt sowohl beim achtundvierzigsten Paar Schuhe als auch beim Konzertticket der zweitteuersten Kategorie: Frau gönnt sich ja sonst nichts.
Also, Shop’n’Roll!

xoxo



Das Leben ist wie ein technisches Gerät: Es macht, was es will, und die angeblichen Bedienungsratschläge versteht auch kein Mensch!

Es gibt Tage, da komme ich mir vor wie in „Matrix“. Der Mensch gegen die Technik, die Technik gegen mich. Nur ohne Sonnenbrille, Ledermäntel und coole Moves. Ich warte quasi nur noch auf den Tag, wenn mein Geschirrspüler (von mir neulich versehentlich in „Gesellschaftsspieler“ umgetauft, womit ich ihm quasi schon ein Bewusstsein zusprach) anfängt, mit „Finish“ Tabs auf mich zu schießen, um mich anschließend als Sklavin an eine Bande Gebrauchtwagen zu verkaufen.
Okay, das ist vielleicht ETWAS übertrieben, aber ich wette, auch bei vielen von euch steht Technik auf der Dinge-über-die-ich-gern-fluche-Liste in den Top Drei.

Das fängt schon bei scheinbar simplen und harmlos anmutenden Haushaltsgeräten an. Dem Toaster zum Beispiel. Ich erinnere mich noch an ein besonders hinterhältiges Exemplar, das sich im Besitz der Eltern einer Freundin befand. Immer, wenn man nicht damit rechnete, schleuderte er einem die gerösteten Brotscheiben quer durch die Küche hinterher. Aber wehe, wir dachten einmal daran und blieben vor dem Toaster stehen! Schon schob er brav den Toast nur ein Stück nach oben und tat, als könne er kein Wässerchen trüben. Miststück.
Bleiben wir erstmal im Haushalt. Auch so ein Föhn ist nicht ohne, einer armen Freundin von mir sind einmal innerhalb kürzester Zeit zwei Stück explodiert, und auch eine Kollegin berichtete neulich von einem solchen Erlebnis. Was da alles passieren kann, schließlich halten wir die Dinger direkt an den Kopf! Das fällt schon fast wieder in die Kategorie „Haushaltsunfälle“.
Zu meiner Waschmaschine habe ich ein gutes Verhältnis, weil wir für unsere WG damals ein Modell mit nur einem Drehschalter und wenigen anderen Knöpfen ausgesucht haben. Wenn ich in Elektroläden oder bei anderen zu Hause andere Exemplare sehe, wundere ich mich immer schon beim Gedanken an die Bedienung der hundert verschiedenen Drehknöpfe und Schalter mit kryptischer Beschriftung, wie die Besitzer dieser Ungetüme nicht vor jedem Waschgang händeringend in den Verzweiflungsschrei: „Ich will doch nur saubere Wäsche, ahhhh!!“ ausbrechen.
Vielleicht leide ich auch nur an einem angeborenen Unverständnis für Haushaltsgeräte. Meine Beziehung zum Bügeleisen ist auch nicht die engste, und wenn ich an die ersten Bedienungsversuche meines neuen Herdes denke … Meine Mutter hatte wochenlang Angst vor den raumschiffähnlichen Bedienelementen ihres neunen Ofens, ganz so schlimm war es bei mir nicht.
Aber eine der vier Platten hat eine äußere Zone, die nur heiß wird, wenn ich sie separat einschalte. Leider wollte mir das trotz tagelanger Versuche nicht gelingen. Es musste erst ein Freund vorbeikommen und mit seinen „Magic Hands“ einmal am Schalter drehen – und schon glühte die äußere Herdplattenzone gehorsam. Hm.

Nicht, dass jetzt jemand einen falschen Eindruck bekommt, ich bin kein genereller Technik-Legastheniker. Immerhin kann ich eine Stereoanlage anschließen, und im Normalfall auch Fernseher und alles, was dazugehört. Wenngleich es auch in der TV Welt Geräte gibt, die einem den Wunsch wecken, an ihrem Erfinder fiese, mittelalterliche Foltergeräte zu testen. Da hat der Fernseher schon der Einfachhalt halber einen USB-Anschluss … Aber wo mein eigener intuitiv bedienbar ist, erfordert der bei Papas Freundin mindestens ein Studium „Bedienungsanleitung – Deutsch / Deutsch – Bedienungsanleitung“. Die vergisst man jedoch am besten gleich. Mit etwas Teamwork haben wir am Schluss tatsächlich noch meine Urlaubsfotos anschauen können.
Jaja, diese tollen neuen Geräte. Wie auch unsere Kaffeemaschine in der Firma: Kann alles, von Espresso bis Latte Macchiato, vermutlich auch noch abwaschen, merkt aber nicht, wenn man keinen Becher drunter gestellt hat.

Sind wir zu Hause mit technischen Rätseln konfrontiert, droht meistens nicht gleich der persönliche Weltuntergang. In der Regel können wir uns etwas Zeit nehmen, alles zum Laufen zu bekommen. Anders sieht es aus, wenn wir das Haus verlassen, zum Beispiel mit der an sich ungefährlichen Absicht, Leergut zum Supermarkt zu bringen. Schon zickt der Rückgabeautomat rum, obwohl du die Flaschen exakt nach Vorschrift eingelegt hat. Hinter dir sammelt sich eine Schlange von Kunden, die kollektiv denken, du seist einfach zu dämlich – während du kurz davor bist, den Automaten anzubrüllen. Obwohl dem das total egal wäre.
So, wie es auch dem Fahrkartenautomaten egal ist, dass du auf die nächste Straßenbahn angewiesen ist, wenn das Biest deine Münzen immer wieder durchfallen lässt. Falls du soweit überhaupt kommst, denn für die Automaten der Deutschen Bahn beispielsweise brauchst du neben einer Stunde Zeit auch noch ein Studium der Wirtschaftsinformatik (keine Ahnung, was da sonst helfen würde), wenn du noch vor dem Abfahrtspfiff zum richtigen Ticket kommen möchtest. Ich frage mich immer, wer sich diese Menüführung ausdenkt! Auf jeden Fall ein Mensch, der Kunden hasst oder noch nie selbst eine Fahrkarte gekauft hat.

Auch einige Fluglinien haben jetzt das Automatensystem für sich entdeckt. Als wir beim Check-in-Versuch zu zweit mit ratlosen Gesichtern nicht weiter kamen, erbarmte sich schließlich ein Mitarbeiter der Airline, uns zu helfen. Allerdings nicht, ohne uns spüren zu lassen, dass wir seiner Meinung nach über die Intelligenz einer Spülbürste verfügten. Wie anscheinend übrigens auch die fünf Fluggäste nach uns.
Bedienungsfreundlichkeit wird anscheinend völlig überbewertet, wie in den Augen bestimmter „Kundenbetreuer“ auch Freundlichkeit im Allgemeinen. Da krieg ich oft Lust, bei den verantwortlichen Firmen anzurufen und mich mal ausführlich zu beschweren. Doch selbst da werden uns noch technische Steine in den Weg gelegt.

„Herzlich willkommen bei Firma blablabla. Wenn sie eine Frage zu ihrem Auftrag haben, sagen Sie ,Auftragsverfolgung“. Wenn Sie eine Filiale suchen, sagen Sie ,Filialensuche‘. Wenn sie eine Beschwerde vorbringen möchten, sagen Sie ‘Beschwerdemanagementsbenutzungsanfrage‘ möglichst fehlerfrei mit schwäbischen Dialekt, oder legen Sie am besten einfach auf.“

Von wegen Spracherkennung. Zu einem Kundenberater kommst du meistens nur durch, wenn du möglichst laut möglichst unverständliche Beschimpfungen in den Hörer brüllst, bis die Spracherkennung resigniert. Es sei denn, sie werfen dich dann einfach aus der Leitung.
Waren das noch Zeiten, als wir irgendwo anriefen und jemand ging einfach ran.
Oder als wir in ein Hotel eincheckten und einen guten, altmodischen Schlüssel bekamen. Den konnten wir einfach in die Tasche stecken und gut. Heutzutage drücken sie uns so eine anonyme Schlüsselkarte in die Hand, auf der nicht mal die Zimmernummer steht (gut, dass ich im Hostel in Wellington nicht allein im Zimmer war, ich hatte mir nämlich die Nummer nicht gemerkt). Die darfst du dann nicht in der Nähe des Handys aufbewahren und musst sie auch von allen anderen technischen Geräten fern halten, denn ansonsten entlädt sie sich. Und dann stehst du vor der Tür und lernst: Rotes Lämpchen heißt „Du kommst hier net rein“. Einmal ist mir das innerhalb einer Woche drei Mal passiert, wobei mein Zimmer natürlich in Maximalentfernung zur Rezeption lag.
Selbst im Auto bleiben wir heute vor elektronischem Schnickschnack mit zweifelhaftem Nutzen nicht verschont. Die ganzen Kontrolllämpchen, da fühl ich mich manchmal fast wie im Flugzeugcockpit. Irgendwas blinkt bedeutet, irgendwas ist falsch oder kaputt. Man weiß nur nicht genau was. Das Thema Navi hatten wir ja schon, also spare ich mir jeglichen weiteren Kommentar dazu.

Die meisten Männer würden jetzt sicher weise mit dem Kopf schütteln und bedeutungsschwanger verkünden: „Frauen und Technik“.
Diesen Männern strecke ich hiermit die buchstabierte Zunge raus. Auch wenn ich gestehe, auf mindestens einem Gebiet sind die Herren der Schöpfung mir unheimlich. Dann, wenn es um Spielekonsolen geht. Binnen Sekunden scheinen sie mit dem Controller verwachsen zu sein, die richtige Bedienung und Fingerkoordination liegt ihnen im Blut. Mein Exfreund konnte nie verstehen, warum ich auch nach tagelanger Übung keine Kontrolle über meine Figur in einem Tennisspiel hatte, während er sofort jedes Spiel intuitiv beherrschte, selbst wenn er alle Controller-Knöpfe gleichzeitig bedienen musste.
Es sei euch gegönnt Jungs, außerdem haben wir im Alltag weit größere Sorgen als eine Playstation.
Vor ein paar Tagen erst, erhielt ich den Anruf einer verzweifelten Kollegin. Vor lauter Piepen und Rauschen im Hintergrund konnte ich sie kaum verstehen, bis sie mir schließlich zuschrie, es handle sich um ihren Drucker, der in einer Endlosschleife versuchte, ein fehlgeschlagenes Fax immer und immer wieder zu senden. Dabei machte er einen Höllenlärm und ließ sich nicht mal mehr ausschalten. Sie verstand auch mich kaum, bis ich in den Hörer rief:
„Stecker ziehen, versuch den Stecker zu ziehen!!“

Ähnliche Dramen haben sich auch in unserem Büro schon abgespielt, zuletzt am Freitag. Eine andere Kollegin wartete seit einer Ewigkeit auf ihren Ausdruck, der Drucker speiste sie jedoch mit einer Fehlermeldung ab, deren Aussage mal wieder niemand begriff. Letztendlich stellte sich heraus: Herr Doktor, Schere, Skalpell und Tupfer bitte, wir müssen einen Beipass legen!
Denn bestimmte Dokumente besitzen die Voreinstellung „Bypass Print“, was bedeutet, wir müssen einen speziellen Papiereinzug mit leeren Seiten füttern. Dann viel Spaß beim Suchen! Obwohl nur etwa 40 mal 50 Zentimeter groß, verfügt unser Drucker über gefühlte zwanzig Klappen, wo sich hinter einer der ominöse Bypass verbirgt.

Ach ja, die moderne Computertechnik. Wieviel Zeit hätten wir plötzlich, wenn wir uns nicht täglich darüber aufregen müssten? Wenn ich mich an meinen Kampf mit der Fotobuch Software neulich erinnere, stellen sich mir immer noch die Nackenhaare auf. Einen ganzen Abend habe ich gebraucht, die Bestellung mit allen Bildern unter Nichtbeachtung all der angeblichen Fehler hochzuladen und abzuschicken! Mehr als einmal habe ich dabei knapp das Verlangen niedergerungen, den Rechner aus dem Fenster zu feuern. Auch das kennt ihr sicherlich.
Doch offensichtlich handelt es sich zwischen uns und dem Computer um gegenseitige Verständnisprobleme. Vermutlich möchten auch PC‘s und Laptops ihre Benutzer oft einfach in den Papierkorb verschieben, wie sonst lässt sich meine Lieblingsfehlermeldung erklären:
„Der Server ist verwirrt und weiß nicht, wie er auf deine Anfrage reagieren soll!“
Sorry, lieber Server, nicht weinen, das wollte ich natürlich nicht.

Viel lieber würde ich den schwarzen Mantel anziehen, die Sonnenbrille aufsetzen und die Erfinder benutzerfeindlicher Technik mit Waffengewalt zu anwendungsfreundlichen Erfindungen zwingen :-)
Und so schließe ich mit den Worten einer Freundin:
„Ich benutze mein Smartphone jetzt auch als Handy!“
Echt, da kann man auch mit Telefonieren? ;-)

xoxo

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{April 9, 2012}   Ey, Osterbunny!

Das Leben ist wie Ostern: Eier, wir brauchen Eier!

„Hase“, sagt der Freund meiner Freundin zu mir, „Wir sind sieben Personen, schon den ganzen Tag. Da brauchst du nicht jedes Mal acht Teller zu decken.“
Wer das jetzt gleich wieder falsch versteht: Nein, er hat keinen tierischen Kosenamen für mich, weil wir zwei heimlich was miteinander haben. Vielmehr heißt jeder von uns vorübergehend „Hase“, wenn wir etwas Offensichtliches einfach nicht begreifen.
Mit der Zeit habe ich diese Angewohnheit übernommen und verwirre regelmäßig Freunde und Kollegen wenn ich sie plötzlich „hase“. Jeden würde ich jedoch nicht so nennen, sonst hätte ich am Donnerstag an der Supermarktkasse auch sagen können:

„Hase, ist Ihnen nicht aufgefallen, dass ich schon seit drei Minuten mit meinem Einkaufswagen hier in der Schlange stehe, da können Sie sich nicht einfach auf die dreisteste Art aller Zeiten vordrängeln, HABEN SIE DAS VERSTANDEN, HASE???!!“

Das wäre nun noch ein bisschen komisch rüber gekommen. Davon abgesehen, habe ich auch sonst keine Riesenszene im Supermarkt veranstaltet. Der Klügere gibt ja bekanntlich nach (und geht erst zu Hause wie ein HB Männchen hoch).
Nein, der „Hase“ bleibt in liebevollem Tonfall nur Menschen vorbehalten, die ich wirklich mag.

Aber warum überhaupt Hase? Die sind schließlich gar nicht so schwer von Begriff. Kaninchen benutzen mit ein bisschen Übung die Nagertoilette (im Gegensatz zu Meerschweinchen übrigens) und sind wahre Ausbruchweltmeister. Zu Ostern bringen die Langohren angeblich sogar noch bunte Eier.
Was mich zurückbringt zur Eierkrise in Tschechien. Wisst ihr noch? Die armen Osteuropäer und angrenzende, von Teufelskreis der Eierknappheit betroffene Regionen, was machen die nur zu Ostern? Weiße Eier zum Färben zu bekommen, ist ja schon bei uns Wochen vorher unmöglich.
Naja, aber bei Ostersonntagstemperaturen unter denen des letzten Weihnachtsfests macht draußen Eier suchen ohnehin keinen Spaß. Weshalb wir am Karfreitag wieder zum Kekse backen übergegangen sind.
Jetzt werden einigen denken: „Hase, Karfreitag ist doch noch tiefste Fastenzeit, da kannst du doch keine Kekse backen!“
Denen sei gesagt: Ich bin bekennende Heidin, ich darf das.
Außerdem finde ich ja immer, niemand sollte durch Fasten und den düsteren Gedanken, jemand sei am Kreuz für unser aller Sünden gestorben, einen ganzen Tag (oder gar seit Aschermittwoch) schlechte Laune nähren. Hat ja niemand was davon.
Was allerdings nicht bedeutet, ich denke nicht über die christlichen Hintergründe des Osterfestes nach!

Die alten Bibel-Verfilmungen, ich kenne sie alle. Auch „Die Passion Christi“ habe ich gesehen, wenn auch mit Untertitel ;-) Und an der Stelle, wenn Jesus gekreuzigt wird, breche ich meistens in Tränen aus. Weil Menschen tatsächlich eines so grausamen Todes sterben mussten. Weil es sich um keine bloße Hollywood Erfindung handelt. Nennt mich Sensibelchen, aber so bin ich eben.
Überhaupt finde ich, die Bibel ist eine äußerst spannende Lektüre: Die Erschaffung des Menschen, gefolgt von der Vertreibung aus dem Paradies. Moses in Ägypten, über das Gott diese fiesen Plagen bringt. David, König Salomo und natürlich das Wunderwirken Jesu … Das waren harte Zeiten, dramatisch und tragisch! Im Grunde müsste man das Buch der Bücher mal von vorn bis hinten durchlesen. Das einzige, was mich abhält, ist die Endlose Anzahl an Seiten, verfasst in diesem mehr als gewöhnungsbedürftigen Sprachstil.

Auch wenn mein Glaube an die vermittelten Inhalte sich in Grenzen hält und ich gleich nach der Schule aus der Kirche ausgetreten bin, kann ich mich doch trotzdem dafür interessieren und die Bibel, dort beschriebene historische Ereignisse und Wunder losgelöst von meinem eigenen Glauben (oder Nichtglauben) betrachten, oder?
Auf diese Weise bin ich zumindest bibelfester als viele Konfirmierte (zu denen ich nicht gehöre, dagegen habe ich schon als Teenie rebelliert). Manchmal echt praktisch, wenn beispielsweise Diskussionen über das „Schweinewunder“ aufkommen. Lustige Bezeichnungen haben die da, in der der Kirche.

Sollte Jesus wirklich an der Seite seines Vaters sitzen und vom Himmel auf uns hinuntersehen, fragt er sich vermutlich sowieso seit kurz nach seiner Himmelfahrt, was er da eigentlich losgetreten hat. Glaubenskriege, Inquisition und die Gold-, Geld- und Machtmengen des Vatikan waren im Zweitausendjahresplan vielleicht nicht unbedingt vorgesehen.
Und was er wohl zu den Osterprozessionen in Spanien sagen würde? Ich kenne diese Veranstaltungen nur aus dem Fernsehen, aber wenn ich diese Heiligenfiguren und riesigen Holzkreuze sehe, die durch die Straßen geschleppt werden, während Frauen schreien und sich die Augen aus dem Kopf heulen, ereilt mich automatisches Kopfschütteln. Nachts (manchmal auch tagsüber) ziehen dann Männer in Büßergewändern durch die Gegend, die eher an Ku-Klux-Klan erinnern. Gruselig. Das kann bei objektiver Betrachtung doch nicht gesund und im Sinne des Erfinders sein, oder? Soweit ich weiß, steht auch nirgendwo in der Bibel:
„So ziehet euch komisch an und erschrecket kleine Kinder.“
Aber jedem sein Glaube und seine Traditionen …

Das mit der Auferstehung ist ja auch so eine Sache. Christen feiern sie jedes Jahr zu Ostern, doch den Vorgang selbst hat damals niemand gesehen. Schade eigentlich! Erstaunlicherweise hat diese Tatsache sogar ein Pastor gestern in seiner Osterpredigt erwähnt.
Jawohl, ich habe an einem Ostersonntagsgottesdienst teilgenommen. Nicht einfach so natürlich, weil mich das plötzliche Bedürfnis danach überkommen hat, sondern weil ich Gast auf einer gleichzeitig erfolgten Taufe war.
Um acht Uhr morgens.
DRAUSSEN!
Letzteres ist am Großteil der Taufgesellschaft im Vorfeld vorbeigegangen, weshalb wir uns in kurzen Kleidern, Nylonstrumpfhosen und offenen Schuhen bei einem Grad unter Null beinahe Erfrierungen dritten Grades zugezogen hätten („Hase, wenn die Taufe draußen stattfindet, wäre es schön, das zwecks Kleiderwahl vorher zu wissen!“).
Immerhin war uns das Lächeln schon im Gesicht festgefroren, Baby war warm angezogen und hat alles tapfer über sich ergehen lassen. Und der Rest von uns wurde mit Essen bis zum Abwinken entschädigt :-)
Ostern ohne kuriose Überraschungen wäre ja auch halb so spannend.

Bevor ich mir beim nächsten Ostergottesdienst noch eine Lungenentzündung hole, bleibe ich jedoch lieber bei heidnischen Häschen und Eiern. Osterfeuer sind tatsächlich christliches Brauchtum, habe ich dieses Jahr gelernt. Da ist ja traditionell immer schlechtes Wetter … Also, beim Osterfeuer, nicht im christlichen Brauchtum generell.
Es lebe die Tradition.
So, ihr Hasen, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, ist morgen schon wieder der Tag gekommen, an dem wir an unseren Arbeitsplatz zurückkehren müssen. Bis dahin wünsche ich euch noch einen traumhaften Ostermontag und hoffe, ihr habt genug Eier gesammelt, um damit durch den Frühling zu kommen ;-)
„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“, heißt es beim Osterspaziergang in Goethes „Faust“. Hoffen wir mal, dass sich das bald bewahrheitet und wir nicht noch Himmelfahrt wie die Eskimos rumlaufen …

Frohe Ostern!

xoxo



{April 2, 2012}   Ich glaub, ich bin im Kino

Das Leben ist wie ein Spielfilm – Indiana Jones und Lara Croft würden sich königlich amüsieren, wenn sie uns zuschauen könnten!

Ich liebe Kino: Den Duft von süßem Popcorn, die Riesenleinwand, den Wahnsinnssound und die Dunkelheit, die für die Dauer des Films die Welt ringsum verschlingt. Ich wette, auch viele von Euch lenken sich auf diese Weise gern vom Alltag ab und entfliehen in eine fremde Realität. Wir benötigen weniger Phantasie als beim Lesen von Büchern, und dank 3D Technik sind wir seit einigen Jahren mittendrin, statt nur dabei.
Oft denken wir dabei: „Boah, wieso hat er oder sie denn dies oder jenes getan, wie dämlich ist das denn?!“
Klassisches Beispiel dafür ist das Mädchen im Horrorfilm, das auf der Flucht vor dem Irren mit dem Messer immer die Treppe RAUF rennt, von wo es garantiert kein Entkommen mehr gibt. Das hätten wir ja alles völlig anders gemacht. Aber ganz ehrlich, würden wir in der tatsächlichen Situation wirklich so cool und überlegt reagieren, wie wir uns das mit der Popcorntüte in der Hand überlegt haben?
Okay, wir würden also nicht die Treppe hoch vor dem Serientäter fliehen. Wirklich nicht, und wohin dann, so ganz spontan? Schließlich hat kaum jemand unter uns am Praxistraining „Wie verhalte ich mich, wenn ein durchgeknallter Serientäter in mein Haus eindringt“ teilgenommen. Vielleicht würden wir deshalb auch reflexartig in den Keller rennen. Was noch bescheuerter wäre als nach oben.

Diese ganze Was-würde-ich-tun-wenn-Problematik hat sich mir letzte Woche aufgedrängt, als ich mir im Kino „Die Tribute von Panem“ angesehen habe. Katniss, die Protagonistin, meldet sich darin freiwillig für einen Wettkampf, den von 24 ansonsten unfreiwilligen Teilnehmern nur einer übeleben kann. Eine Selbstmordmission, auf die sie sich nur begibt, damit ihrer kleinen Schwester dieses Schicksal erspart bleibt.
Im ersten Moment würden wir alle zustimmend sagen: „Natürlich, wir würden dasselbe tun!“
Aber würden wir das wirklich, das eigene Leben für das eines anderen geben, wenn wir vor der Wahl stünden?
In Filmen – vor allem denen auf der Grundlage aktueller Jugendliteratur – scheinen die Hauptfiguren zunehmend von ihrem Selbsterhaltungstrieb befreit zu sein. Machmal habe ich den Eindruck, sie betteln regelrecht darum, anstelle eines anderen sterben zu dürfen.
„Nehmt mich an seiner (oder ihrer) Stelle!“ ist in meinen Augen ein inzwischen recht verbrauchter Satz in der Unterhaltungsbranche. Selbst, wenn er nicht immer in dieser Form ausgesprochen wird.
Ich will nicht sagen, wir sind alle Egoistenschweine, dennoch unterstelle ich, dass die meisten von uns – mich selbst nicht ausgenommen, vermutlich nicht so selbstlos handeln würden. Am Ende sehen wir doch jede Situation aus einer komplett anderen Perspektive, wenn wir wirklich mit ihr konfrontiert sind.

Stellt euch nur mal vor, wie blöd ihr gucken würdet, wenn eine übernatürliche Macht euch plötzlich mitten in eine Filmhandlung beamen würde!
In „Herr der Ringe“ zum Beispiel. Also, wäre ich auf einmal Frodo, würde ich mich sowas von weigern, den Ring der Verdammnis fast allein (oder noch besser, mit Gollum) ins Zentrum des Bösen zu tragen. Mal ganz abgesehen von dem Bedürfnis, mir die Fußsohlen zu rasieren. Leider wäre Mittelerde vermutlich dem sicheren Untergang geweiht, wenn ich es ablehnen würde, ohne mindestens Aragorn und Legolas irgendwo hinzugehen.
Und bei den Hunger Games in Panem hätte ich wahrscheinlich keine 30 Sekunden überlebt.
Noch so eine „Ich sterbe gern für euch“-Kandidatin ist Bella aus Twilight. An ihrer Stelle hätte ich übrigens sowohl den Werwolf als auch den Vampir in die Wüste geschickt. Zumindest, solange er mit dem Gesicht von Robert Pattinson rumläuft. Somit würde ich leider auch dort die gesamte Handlung verderben, aber es gibt doch noch einen Film, mit dessen Hauptfigur ich gern mal die Rollen tauschen würde!
Getreu dem Umfrageergebnis, dem zufolge die beliebteste männliche Figur der Literatur Mr. Darcy heißt, würde ich die aktuellste Verfilmung von „Stolz und Vorurteil“ wählen, wenn ich in einen Film umziehen müsste. Als schlagfertige Elisabeth, die am Ende einen der reichsten Männer Englands heiratet, könnte ich mich schon ganz wohl fühlen.
Oder aber in „Paranormal Activity“. Ich grusel mich doch so gern :-)

Eine Umfrage unter euch wiederum hat ergeben, in die Haut welcher Kinofigur ihr gern einmal schlüpfen würdet. Wie so oft haben mich die Ergebnisse überrascht!
Wer hätte beispielsweise gedacht, dass tatsächlich jemand mit Darth Vader tauschen wollen würde? Auch wenn diese Wahl nur aus einer düsteren Stimmung heraus getroffen wurde, wäre Luke Skywalker wohl doch die nettere Alternative gewesen, wenn es nur um das Laserschwert geht. Wer nimmt schon freiwillig diese fiesen Atemprobleme in Kauf, während die eigenen Kinder dich hassen. Prima.
Ein anderer wäre gern Jack Sparrow, was ich schon eher nachvollziehen kann. Aber ist es wirklich so verlockend, mit einem Kochlöffel (ich bin bis heute überzeugt, dass es einer ist) in der Frisur herumzulaufen, ständig beklaut, irgendwo ausgesetzt und von Frauen geohrfeigt zu werden? Hmmm….
Als zweite Wahl gab derselbe Umfrageteilnehmer den Terminator an – Eine Maschine mit dem Gesicht von Arnold Schwarzenegger. Ob er sich das so gut überlegt hat?
Dagobert Duck war auch als Wunsch dabei. Klar, einmal so unvorstellbar reich sein … Aber mit Entenarsch :-)
Wo wir schon bei Tieren sind, jemand wäre tatsächlich gern das Hörnchen Chap aus den Disney Filmen. Ja, ein Hörnchen. Gut, das ist niedlich. Manchmal wünschte ich wirklich, ich hätte Psychologie studiert und könnte einen solchen Wunsch interpretieren ;-)
Ein Freund von mir könnte sich ein Dasein als Phil aus „Und täglich grüßt das Murmeltier“ vorstellen. Wobei Phil sowohl Name des Protagonisten als auch der des Murmeltiers ist. Als Murmeltier einfach nur schlafen und irgendwann mal den Kopf aus dem Bau strecken, ist wohl nicht das Schlimmste. Als Mensch jedoch denselben Tag immer und immer wieder erleben zu müssen, stelle ich mir weniger reizvoll vor. Zumal du nicht gerade einen besonders schönen Tag zur Endloswiederholung aussuchen kannst!
Noch ein anderer wäre gern Peter Schlönzke … Wer zur Hölle ist Peter Schlönzke?!
Und zu guter Letzt sieht sich ein Kollege als El Mariachi. Dagegen kann ich nichts sagen, es passt irgendwie.
Ich muss sagen, ein paar von euch haben echt bedenkliche Vorstellungen :-)

Und für die, die ihre Phantasien bis zu einem gewissen Grad ausleben wollen, wurden Rollenspiele erfunden. DSA (ich übersetze für die, die es nicht kennen: „Das schwarze Auge“) zum Beispiel. Aber auch hier gilt, auf dem Sofa lässt es sich prima diskutieren und entscheiden, wie eine im Spiel vorgegebene Situation mit Hilfe der Eigenschaften zu lösen ist, die der dargestellte Fantasy Charakter besitzt. Aber wehe, die Spieler wären plötzlich leibhaftig im Abenteuer! Da hilft dann auch kein Würfel mehr, dessen Augenzahl ansonsten entscheidet, ob eine Aktion gelingt oder nicht.

Andersherum wären die Figuren aus fiktiven Welten vermutlich auch überfordert, wenn sie plötzlich unser Leben führen müssten
Obwohl, wenn ich mit der Hauptfigur einer deutschen Telenovela tauschen müsste, würden wir wahrscheinlich beide den Unterschied kaum merken. Und Stromberg würde sich bei uns Büro auch wie zu Hause fühlen. Um diese Tatsache mache ich mir schon länger Sorgen …

Insgesamt ist es wohl schon ganz gut, dass Filme lediglich der Unterhaltung dienen und das aufregendste, was mir sonst je im Kino passiert ist, eine Überflutung mit Apfelschorle, der Diebstahl meines Handys und ein paar furchtbare Dates waren.
Falls jemand jetzt doch noch Lust aufs Lichtspieltheater hat: Unbedingt „Die Tribute von Panem“ anschauen! Obwohl von der Innenwelt der Figuren wenig rüber kommt, nimmt die Handlung den Zuschauer mit ungeheurer Intensität mit. Selten habe ich das Gefühl der Angst so dargestellt gesehen, dass ich sie selbst gefühlt habe.

So Leute, Schluss jetzt, gleich gibt es „Vampire Diaries“. Wenn ich an Ian Somerhalder als sarkastischem Vampir denke, erscheint mir das Beamen in die Handlung plötzlich doch wieder ganz reizvoll ;-)
Geht aber nicht, also wo ist das Popcorn?

Bis zur nächsten Folge von Gossip Rück!

xoxo



Das Leben ist wie ein Frühlingsgefühl: Wir sind außer Stande zu erklären, wozu es gut sein soll, und oft verstehen wir unser eigenes Verhalten nicht. Aber es kann sich so GUT anfühlen!

Wir schreiben den 24. März 2012, und ich versuche mich krampfhaft zu erinnern, ob ich jemals so früh im Jahr draußen im Eiscafé gesessen habe. Egal, ich genieße die Sonne, mein Spaghettieis und die lebhafte Atmosphäre um mich herum.
„Und ihr Lächeln! Das kannst du dir nicht vorstellen.“
Ich drehe mich um und sehe das Leuchten in den Augen eines Jugendlichen, der einem Kumpel von seiner neuen Flamme vorschwärmt.
„Ich hab noch nie ne Frau getroffen, die mich so geflasht hat …“
Ich grinse und denke mir den Rest.
Ach ja, Frühling! Im Winter hatten wir zu nichts wirklich Lust, außer Auswandern vielleicht. Wenn wir nach Hause kamen, konnten wir uns zu nichts mehr aufraffen, die Dunkelheit hatte schon wieder den Tag verschluckt, der dann auch gelaufen war. Doch jetzt, wo wir den Bäumen quasi beim Grün werden zusehen können, erwachen auch wir aus unserer Winterlethargie. Und mit uns die berüchtigten Frühlingsgefühle.
Rein physisch entstehen sie, wenn die Konzentration des Schlafhormons Melatonin in unserem Blut sinkt und der Körper dafür mehr des Glücksbotenstoffs Serotonin produziert. Das hat mit Verlieben, was wir oft mit Frühlingsgefühlen assoziieren, erstmal nichts zu tun. Angeblich tun wir das lieber im Herbst. Naja, wenn die Wissenschaft es sagt …
Auf jeden Fall spüren wir die Wirkung des Hormoncocktails. Bei mir macht er sich oft mit einem Ganzkörperkribbeln bemerkbar, als hätte ich zuviel Kaffee getrunken. Ich spüre den Drang, rauszugehen, mich zu bewegen und einfach das Leben zu genießen. Mit steigenden Temperaturen können wir auch endlich unsere Haut von den dicken Klamotten befreien, in denen wir sie über die kalten Monate eingesperrt hatten. Hannovers Frauen führen die Sommerklamotten aus dem neuen Hollister Shop spazieren, und es gibt allgemein wieder mehr zu gucken.
Und im Gute-Laune-Rausch unserer Frühlingsgefühle tun wir das auch. Schließlich ist das Frühjahr nicht umsonst die Zeit der Fruchtbarkeit, was wir dank unserer heidnischen Vorfahren heute noch mit Hasen (wahnsinnig fruchtbar!) und Eiern zu Ostern mehr oder weniger bewusst feiern (was sich früher an den Feuern in der Nacht zum ersten Mai abgespielt hat, dazu sage ich hier mal nur: FSK 18).

Wenn wir schon beim Gucken sind: Worauf genau achten wir eigentlich beim anderen Geschlecht zuerst?
„Also, ich gucke ja immer zuerst auf den Charakter“, erklärte mir eine Freundin neulich.
Ne, is klar. Wie sie das macht, soll sie mir mal verraten, mit dem Trick könnten wir Milliarden verdienen!
Auch wenn politisch korrekt natürlich die Persönlichkeit das wichtigste ist, versteckt sie sich doch im Inneren des Menschen, was unvermeidlich zur Folge hat, dass in der Regel der erste Eindruck physischer Natur ist. Und um das offen auszusprechen, was im Grunde alle wissen:
Auch wenn jemand einen noch so tollen Charakter und ein Herz aus Gold hat, hilft das nichts, wenn die körperliche Anziehung fehlt. Hart, aber wahr.
Da also leider keine dataillierte Charakterbeschreibung an uns dran klebt, bemerken wir zuerst die Gesamterscheinung eines Menschen. Ist die erstmal gecheckt und für attraktiv befunden, schauen viele Frauen als nächstes auf die Hände eines Mannes, denn viel zu lange oder abgekaute Fingernägel könnten uns sogar vor Brad Pitt davonlaufen lassen.
Also, ich schaue ja zuerst in die Augen. Oft wirklich zu allererst, bevor ich den Rest wahrnehme. Mit seinen Augen kriegt man(n) mich sozusagen ;-) Tiefe müssen sie haben, Lebendigkeit und Scharfsinn versprühen. Anderenfalls bekommt der Typ gleich den imaginären Stempel „uninteressant und langweilig“. Ich kann zwar bis heute nicht fest machen, wo der genaue Unterschied zu dumpfen, kalten und langweiligen Augen liegt, aber er existiert definitiv.
Andere unterziehen zunächst die Schuhe des Kandidaten einer genauen Betrachtung, da viele Männer ja leider unter einer angeborenen Schuhwahrnehmungsstörung leiden. Schlimme Sache.
Einige Damen hingegen geben zu, sie achten gleich auf den Hintern. Ich persönlich würde mich auch sehr für seine Unterwäsche interessieren, nur um Schiesser Feinripp von Vornherein auszuschließen. Dummerweise fehlt mir dazu noch der Röntgenblick.

In „P.s.: Ich liebe dich“, einem meiner Lieblingsfilme, demonstriert Lisa Kudrow eine ganz andere Methode des Kandidatenchecks. Passt ein Mann optisch in ihr Beuteschema, stellt sie ihm drei entscheidende Fragen:

1. Bist du Single?
2. Bist du schwul?
3. Hast du einen Job?

Wenn die Antwort auf Fragen eins und drei „Ja“ lautet und Nummer zwei verneint wird, geht sie zum Praxisteil über, indem sie den armen Kerl mit einem innigen Spontankuss überrascht. Fällt das Ergebnis des Kusstests nicht zu ihrer Zufriedenheit aus, zieht sie einfach weiter.
So kann frau es natürlich auch machen, sehr effizient. Ich würde ja gern die Gesichter der Männer sehen, wenn das tatsächlich jemand ausprobieren würde :-)

Wohin Männer gucken, bemerken wir Frauen meist sehr schnell, weil sie uns wenig subtil in den Ausschnitt oder auf die Beine starren. Und auf den Hintern natürlich. Das sehen wir zwar nicht, aber wir wissen es (schließlich sehen wir sie auf die Hinterteile anderer Frauen schielen)! Das ist kein Vorwurf, liebe Männer. Wir gucken schließlich auch. Allerdings tun wir das u-n-a-u-f-f-ä-l-l-i-g. ;-) Umso mehr geht mir auf jeden Fall das Herz auf, wenn ich jemanden wie unseren jungen Freund oben vom Lächeln seines Mädchens schwärmen höre.

Dennoch gibt es Männer und Frauen, die finden an jedem noch was zu meckern. Wenn es nicht die Optik ist, dann der Wohnort, ein Hobby, der rechte Daumen oder sonstwas. Diesen Härtefällen sei noch einmal gesagt: Den perfekten Menschen gibt es nicht, falls diese News noch nicht zu euch durchgedrungen sind! Immerhin seid ihr selbst auch nicht die geballte Weisheit, gebannt in einen Götterkörper. Im besten Fall begegnet ihr dem Gegenstück, das perfekt FÜR EUCH ist. Lustigerweise entspricht das in der Regel ganz und gar nicht eurer, bzw. unser aller, Traumvorstellung, wenn ich mich bei den lange glücklichen Paaren in meinem Umfeld umschaue.
Denkt immer dran: Wo die Liebe hinfällt … Da wächst kein Gras mehr!

Bis es soweit ist, tanzen Menschenmännchen und -weibchen umeinander herum und achten gegenseitig auf Dinge, von denen der andere nichts ahnt. Während sich die vordergründig ablaufende Unterhaltung um meist unverfänglichere Themen dreht. Bei Betrachtung von außen ist das im Grunde wirklich lustig, vor allem amüsant zu beobachten. In Cafés und Bars zum Beispiel, wenn klar erkennbar ist: Die beiden am Nebentisch haben gerade ihr erstes Date, uuuuhhhh!
Extrem spannend, fast besser als Kino. Wird er sie gleich berühren? Geht da noch was? Wäre das schön, wenn zusätzlich zu der offen ausgesprochenen Unterhaltung auch die Gedanken der beiden in Comicblasen über ihren Köpfen sichtbar wären. :-)
Natürlich belustigt mich das auch nur, solange ich nicht selbst in der Situation stecke, wo alle umsitzenden Gäste Wetten auf den Fortgang meines Abends abschließen. Schließlich ist so ein Kennenlernen ein Spiel mit ungeschriebenen Regeln (die ihr in Teilen in meinen Artikeln „10 Dinge, die ich beim ersten Date an dir hasse“ und „Wie werde ich ihn los – in 10 Minuten“ findet ;-P).
Also, geht spielen, ihr frühlingsfröhlichen Singles unter euch! Aber denkt dran: Der Einsatz ist harte Währung, nämlich Gefühle. Auch wenn einige aus Selbstschutz behaupten, ihre seien nicht in Gefahr. Deshalb am Ende immer schön mit offenen Karten spielen …
Und alle anderen: Wenn ihr euch das nächste Eis holt, bringt mir eins mit!

xoxo

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{März 19, 2012}   Staatshaushalt(s)-Hilfe!

Das Leben ist wie die Politik: Egal, für welche Richtung du dich entscheidest, am Ende fragst du dich garantiert, warum du im richtigen Moment nicht was anderes angekreuzt hast.

„Was sagen Sie als Unbeteiligte zum Thema Politik?“
Das wäre eine Umfrage, für die ich der perfekte Teilnehmer wäre. Ja, ich gebe offen und ketzerisch zu: Politik interessiert mich ungefähr so viel wie das Paarungsverhalten der nordamerikanischen Waldameise. Wobei ich letzteres noch vergleichsweise spannend finde.

Okay, ich weiß also nicht, wer beispielsweise aktuell unser Bildungssystem noch weiter verkorkst, aber andererseits gibt es Menschen, die ihre eigene Blutgruppe nicht kennen und nicht in der Lage sind, auf Englisch nach dem Weg zum Klo zu fragen. Das ist in meinen Augen wesentlich bedenklicher.
Außerdem, warum soll ich mich intensiv mit den Machenschaften unserer Regierung auseinandersetzen, wenn sich geschätzte 80 Prozent der Bevölkerung ohnehin schon darüber aufregen? Gerade ältere Menschen schimpfen IMMER auf die Politik. Selbst wenn sie eine der regierenden Parteien selbst gewählt haben. Diese Endlosdiskussionen habe ich schon als Kind auf Verwandtengeburtstagen gehasst. Vielleicht kommt daher meine allumfassende Abneigung gegen das Thema (?)
Auch die Kommunalwahlen finden in der Regel ohne mich statt, da ich mich im Vorfeld nie mit den Kandidaten beschäftige. Und was ich nicht mal ansatzweise kenne, wähle ich nicht. Keine Panik, bei Bundestagswahlen mache selbst ich brav meine Kreuzchen in der Wahlkabine, denn gegen einen Blick auf die Wahlprogramme kann sich bei der monatelangen Werbung ja niemand wehren. Manchmal gehe ich aus reinem Selbstschutz. Den Stoiber als Regierungschef konnte ich definitiv nicht verantworten! Ein Kanzler, der seine Frau „Muschi“ nennt, wie peinlich wäre das denn gewesen?!

Immerhin weiß ich, wer in den USA Präsident ist und dass in Frankreich ein abgebrochener Choleriker herrscht. Den Vornamen des britischen Premier Gordon kann ich mir zwar partout nicht merken, aber dafür bin ich dank meiner Arbeit bestens über politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen Staaten in Nordafrika und dem Nahen Osten informiert. Mein Informationsprogramm über unsere Inlandspolitik beschränkt sich zugegebenermaßen meist auf „Die Super Merkel“ bei Jump! im Radio … Aber die ist dafür echt lustig ;-)
Um Politik für mich interessant aufzubereiten, bedarf es eben etwas Kreativität oder Abstraktion. Da bekommt der Begriff „Staatshaushalt“ auch gleich eine neue Bedeutung! Jeder Haushalt braucht ein Oberhaupt. Im Staate wie im „echten Leben“ ist das Mama Merkel. Bis vor kurzem war auch Papa Wulff noch Teil des Haushalts, und in den Kinderzimmern werkeln viele kleine Ministerchen unter Mamas wachsamen Augen vor sich hin. Doch dann kam’s raus: Papa hat betrogen! Und schon musste er ausziehen und wurde durch einen älteren Mann mit mehr Erfahrung gesetzt. Voll das Leben.
Der Ersatzmann wiederum ging aus einer Wahl hervor, dessen Ergebnis schon vorher fest stand, das nennen wir dann Demokratie.

So eine Bundespräsidentenwahl erscheint mir etwa so suspekt wie DIE Nachricht am Wochenende: Schon von der Eier-Krise in Tschechien gehört?
Und nicht nur in Tschechien, sondern vielleicht sogar in ganz Europa! Seit nämlich auch die osteuropäischen Hühner alle in der Gewerkschaft sind, haben sich ihre Interessenvertreter in der EU so sehr für sie eingesetzt, dass auch tschechisches Federvieh jetzt einen Anspruch auf artgerechte Haltung hat (oder zumindest, was die EU so „artgerechte Haltung“ nennt).
Während ich mich jedoch für die Tiere freue, protestiert der Tscheche, dessen Eierfach im Kühlschrank aufgrund verdoppelter Preise jetzt meist leer bleibt. Die Folgen?
Eiertourismus und leere Supermarktregale in Ostdeutschland. Eiermangel in unseren Grenzregionen, die dann ihrerseits zusehen müssen, wie sie ihre Vorräte auffüllen. Ein Teufelskreis.
Sorry, liebe Tschechen, ich verstehe ja euer Problem. Aber von außen betrachtet ist es doch recht komischer Natur, oder?
Es ist eben nicht einfach, es ganz Europa recht zu machen. Oder für den Anfang erstmal 82 Millionen Deutschen. Das müssen wir unseren Politikern einfach mal zugutehalten, schließlich können wir im Alltag nicht mal eine ganze Familie auf einmal glücklich machen. Neben den Deutschen wollen unsere Repräsentanten auch noch dem Rest der Welt gefallen (sind die denn größenwahnsinnig?!), weshalb sie immer noch Asche auf unser aller Häupter schaufeln, wegen des zweiten Weltkrieges (den hier kaum noch einer erlebt hat) und aus demselben Grund zu jeder Gelegenheit international mit Geld um sich werfen. Kann man machen, aber ob das der eigenen Staatsverschuldung so gut tut, lasse ich mal dahingestellt. Naja, aber ich habe ja keine Ahnung ;-)

Sicherlich werden jedoch auch innenpolitisch viele Entscheidungen getroffen und Reformen durchgeführt, die uns unfair entscheiden. Gerade wenn es um Arbeitslosengeld I und Hartz IV geht, leiden im Endeffekt viele Menschen unter dem Missbrauch staatlicher Mittel durch Wenige. Müsste nicht jeder Fall individuell betrachtet und entschieden werden? Ganz bestimmt! Aber wer vermag das, völlig unvoreingenommen? Ratz-fatz stünden da Korruption und Willkür auf der Matte. Schwierig also, wie man’s macht, macht man’s falsch.

Diese ganze Wulff-Affäre ist auch so ein Fall für sich. Dabei ist er ja nicht das erste Opfer des Lynchmobs, hinter dem am Ende, Fackeln schwenkend, die Opposition steckt. Bei Angie graben sie zwar bis heute vergebens nach vermeintlichen Kellerleichen, die sie als Frau nur geschickter zu tarnen weiß, aber denken wir nur an den als Bundeskopierer bekannten Herrn von und zu Guttenberg. Gräbt man nur tief genug, findet man fast überall den Dreck am Stecken.
Und ist das Volk erstmal mit der Mistgabel angepiekst, drängt es den Ketzer so lange in die Ecke, bis er aus Angst vor dem Scheiterhaufen freiwillig alle Ämter niederlegt. Davon kann gerade unser Ex-Verteidigungsminister ein Klagelied singen.
Das Schlimme, das Heuchlerische an der ganzen Volkshetzerei ist ja, dass gerade die Ankläger der Sünden genauso gehandelt hätten wie der Beklagte, hätten sie nur die Chance gehabt!
Plötzlich interessiert es auch niemanden mehr, wie gut der Verurteilte seinen Job vorher gemacht hat. So wie ich das mitbekommen habe, haben sowohl der Kopierminister als auch unser Rabattpräsident vor den ganzen Skandalen ihre Ämter im Sinne ihres Landes gut ausgeübt. Auch weil sie jung und ambitioniert waren, was einigen Neidern wohl ein Dorn im Auge war.
Natürlich war es falsch, was die beiden getan haben, gar keine Frage. Aber meinetwegen hätten sie nicht zurücktreten müssen. Macht der Sarkozy ja auch nicht, nur weil er sich mal wieder im Ton vergriffen oder seine Frau betrogen hat (oder beides). Das gehört sich schließlich auch nicht.
Nach meiner Theorie hat der Wulff ja nur aus Trotz auf die Pension, das Büro, das Sekretariat und den Zapfenstreich bestanden. Könnte ich sogar ein wenig verstehen … Aber nur, weil ich so verständnisvoll bin. Angeblich hatte er sich nach seinem Rücktritt in ein Kloster zurückgezogen … Oder war’s doch der „Kloster Night Club“ in der Hallerstraße? :-)
Man weiß es nicht.

Mal sehen, vielleicht lege ich mir irgendwann auch so einen schicken Zungenbrecher-Doppelnamen zu, mit dem geht in der Politik bekanntlich alles!
… Wenn ich daran denn Interesse hätte. Stimmt, da war ja was ;-)

xoxo



{März 12, 2012}   Papierwelten

Das Leben ist wie das Schreiben. Nur dass wir nicht alle Teile der Handlung immer zu unseren Gunsten beeinflussen können.

Seit 46 Wochen arbeite ich mittlerweile regelmäßig an diesem Blog, der wie ein Baby für mich geworden ist. Höchste Zeit, auch mal was über das Schreiben zu schreiben. :-)
Viele stellen sich das sehr einfach vor. Man setzt sich vor ein echtes oder virtuelles Blatt Papier und legt los.
Schön wär’s!
In der Praxis funktioniert das leider nicht. Nicht in diesem Format, und schon gar nicht bei Kurzgeschichten oder gar Romanen. Genau genommen ist das Schreiben nämlich ein Handwerksberuf.
Im Studium haben sie uns zwar weder Sägen, Spachtel, Pinsel noch Rohrzangen in die Hand gedrückt, dafür aber ungleich mächtigere Werkzeuge, wie Nomen, Verben, besondere Ausdrücke und Satzstrukturen.
In meiner Gesellenzeit habe ich gelernt, wie ich die Verwendung von zu vielen Adjektiven umgehe, wie ich Satzlängen je nach Erzähltempo einsetze und variiere. Welche Satzkonstruktionen ich meiden sollte wie der Teufel das Weihwasser und wie ich Figuren anlege.
Ich habe geübt, den Leser zu fesseln (nein, nicht mit Stricken am Stuhl, obwohl das mit äußersten Notfall natürlich auch eine Lösung ist), bis zum Ende des Textes bei der Stange zu halten und zufrieden zu stellen. Den Erfolg des Ganzen könnt ihr besser beurteilen als ich.
Aber für die Meisterprüfung braucht es noch ein wenig mehr als das Handwerk allein. Denn nicht jeder, der Holz zu bearbeiten in der Lage ist, bringt kunstvolle Schnitzereien zustande und besitzt ein Gefühl dafür, wann es angebracht ist, die Regeln des Handwerks zu Gunsten des Textes auch mal zu brechen.
Die Gesamtformel lautet also:

Handwerk + Talent + Kreativität = Guter Text

Leider ist diese Einsicht noch nicht bis zu allen Schreibenden durchgedrungen. So musste ich mich einmal von jemandem, der mich an Bösewicht Gargamel von den Schlümpfen erinnert, buchstäblich zusammenscheißen lassen – Nur weil ich mich nach einem Zehn-Stunden-Tag, wenn auch die Kreativität Feierabend hat, nicht abends noch zwei Stunden an den Laptop setze.
„Ach was, Kreativität! Handwerk, Handwerk, Handwerk, mehr braucht es doch nicht!“
Heut kann ich sagen: „Ha!“
In der aktuellen Ausgabe der Autorenzeitschrift TextArt wird genau diese Theorie noch einmal explizit widerlegt. Das werde ich Gargamel auf jeden Fall bei nächster Gelegenheit unter die Nase reiben. Oder lasse gleich die Kollegin von der Leine, die allein bei seinem Anblick schon immer hinterm Rücken die Messer wetzt. ;-)

Aber immerhin haben mir die Regeln des Schreibens auch geholfen zu verstehen, warum mir ein Text gefällt, oder eben nicht. Umso erschreckender, was für ein Schrott oft veröffentlicht wird, während verborgene Schätze der Wortkunst in den Altpapiercontrainern der Verlage vergammeln! Nur Tolkien hat bei „Der Herr der Ringe“ auf die Regeln des Schreibens gepfiffen und eins der erfolgreichsten literarischen Werke aller Zeiten erschaffen. Die große Ausnahme.

Aber man muss als Autor fiktionaler Texte auch nicht gleich ganze Fantasy Universen erschaffen. Das Leben selbst bietet genug Inspiration und Ideen für Dutzende Geschichten und Romane! Oft ist das einzige, was mich vom Schreiben abhält, die Angst vor Persönlichkeitsrechtsklagen der „Figuren“. Da helfen im Zweifelsfall auch keine Namens- und Ortsänderungen! Schade, schade, wo mein Leben doch oft einer schlechten Seifenoper gleicht. :-)
Meine zeitweise recht ausschweifende Phantasie hilft mir da zum Glück gern aus. Und habe ich eine Geschichte einmal begonnen, macht sie sich ohnehin gern selbstständig! Viele andere Schreibende können sicherlich bestätigen, dass du am Anfang nie genau weißt, wie das Ganze am Schluss ausgehen wird. Warum?
Weil die Figuren ihren eigenen Kopf haben! Sie sind ein wenig wie Hollywood-Diven, haben ihre ganz speziellen Macken, Vorlieben, und weigern sich manchmal schlicht, nach den Vorstellungen ihres Autors zu handeln. Weil das, was wir für sie geplant haben, plötzlich gar nicht ihrem Naturell entspricht und sie sich spontan anders entscheiden. Frechheit. Und ihr Erfinder darf dann die nachfolgende Handlung anpassen. Wenigstens verlangen sie keine Gage. ;-)
Dafür kommen sie manchmal ganz von selbst. Klopfen einfach an meine Tür, mit dem Satz:
„Guten Tag, ich bin xy und würde auch gerne mitspielen. Ich bin hervorragend geeignet, die Handlung voranzubringen, weil …“
Klingt vielleicht ein wenig unheimlich und befremdlich, ist aber so. Ich lasse sie gern herein, weil sie in der Regel Charaktere sind, die mir wenig Arbeit machen, schließlich haben sie sich quasi selbst erfunden. Trotzdem begeistere ich mich für sie genauso wie für alle anderen Haupt- und Nebenpersonen im Text. Genau wie eine meiner Lieblingsautorinnen könnte auch ich mich Hals über Kopf in meine männlichen Protagonisten verlieben und bekomme oft regelrecht ein schlechtes Gewissen, in was für Probleme ich die armen Leute bringe, um echte Menschen zu unterhalten …

Inzwischen ist die Familie meiner fiktiven Darsteller auf die Population eines ganzen berliner Plattenbaus angewachsen. Die Ideen sind im Laufe der Zeit wesentlich zahlreicher geworden als die Stunden, die ich in ihre Umsetzung investieren kann (immer dieser „Brotjob“). Da helfen nur Notizen, Notizen, Notizen. Wenn ich die manchmal nach Jahren wieder zur Hand nehme, wundere ich mich manchmal selbst, was ich mir da alles ausgedacht hab. ;-) Hätte der Tag doch noch ein paar (Schreib)Stunden mehr! Zwar arbeite ich am liebsten nachts, aber irgendwann müssen ja leider alle mal schlafen gehen.
Um eine gewisse Uhrzeit sind die Wörter auch einfach alle. An manchen Tagen sind sie sogar komplett auf Urlaub, auch wenn ich noch keine absolute „Schreibblockade“ erlebt habe. Oder der böse innere Kritiker (der ist allgegenwärtig und sollte eigentlich einen Namen bekommen … Ich werde ihn Horst nennen) hat Einwände gegen jeden geschriebenen Ausdruck, so dass ich überhaupt nicht vorwärts komme. Dabei gehört dieser Spaßverderber bis zur Fertigstellung der Erstfassung gefesselt und geknebelt! Erst wenn der fertige Text noch ein paar Tage geruht hat, sollte er sich richtig austoben. Sonst versperrt er mir in seinem Übereifer noch komplett die Sicht auf dramatische Rechtschreib-, Grammatik- oder auch Logikfehler!
Was einmal während meines Studiums dazu führte, dass ich eine Geschichte an meine Studienleiterin schickte, in der es die Mutter der Hauptfigur zweimal gab: Einmal tot, und einmal quicklebendig vor der Haustür. Ups …!

Ach ja, wie ihr seht, ist Schreiben eine wirklich spannende Angelegenheit. Etwas, bei dem ich mich komplett ausleben kann, mit der Sprache und den Regeln der Literaturgenres spielen, wie Komponisten es in der Musik tun. In der Hoffnung, es möge hoffentlich nicht schief, sondern harmonisch klingen. Nebenbei kann ich noch meinen kleinen Kontrollzwang ausleben, den heimlich pflege. Schließlich gehen meine Geschichten, allen Figurenzickereien zum Trotz, am Ende so aus, wie ICH es mir vorstelle.
Anders als im richtigen Leben.
Am Ende gibt es kein schöneres Gefühl, als den eigenen Text auf Papier gedruckt und veröffentlicht in der Hand zu halten. Zu sehen, all die hineingesteckte Zeit, das investierte Herzblut und die verlorenen Nerven haben sich ausgezahlt. Vielleicht sogar irgendwann auf dem Konto, auch wenn kein Geld das ehrliche Lob begeisterter Leser aufwiegen können. Davon wünsche ich mir auch ganz viele! :-)
Aktuell bin auch ich glücklicher Leser eines hervorragenden Romans. Dem werde ich mich jetzt wieder widmen, immerhin gehört viel Lesen zum Schreiben dazu. Ich geh also quasi weiterarbeiten ;-)
Horst hat übrigens heute frei …

xoxo



{März 5, 2012}   Ehrlich wehrt den Ängsten

Das Leben ist wie ein Lügendetektor: Auch wenn es Zeit braucht, am Ende bringt es auf seine eigene Weise die Wahrheit über jede Verdrehung von Tatsachen ans Licht!

Wir tun es durchschnittlich 200 Mal täglich. Jeder von uns. Das ist zehn Mal so häufig, wie Männer jeden Tag an Sex denken und zwanzig Mal so oft, wie Frauen das tun. Und was machen wir öfter, als über die schönste Nebensache der Welt zu phantasieren?
Wir lügen.

Lügen ist menschlich, es liegt in unserer Natur, so wie Atmen, Essen und Schlafen.
Es gab Experimente, in denen die Testpersonen eine Woche lang nur die Wahrheit sagen durften, egal wobei, egal zu wem. Nicht mal kleine Höflichkeits- oder Notlügen waren erlaubt, mit denen wir uns gern behelfen. Sie machen den größten Teil der beeindruckenden Zahl von 200 aus, anderenfalls wäre diese Größe noch wesentlich erschreckender. Wie ihr euch vorstellen könnt, haben die Probanden sich im Lauf des Experiments nicht unbedingt Freunde gemacht.
„Wie geht’s dir?“ – „Danke, gut!“
„Sieht mein Hintern in der Hose fett aus?“ „Nö!“
Zack, schon gelogen. Natürlich binden wir nicht jedem auf die Nase, wie sehr die Arbeit uns gerade stresst, wie stark der Heuschnupfen gerade wieder zuschlägt oder dass unsere Kollegin in der neuen Jeans einem Walross gleicht. Klar, das gebieten die Umgangsformen. Ändert aber nichts!
Wenn ich die Gründe dafür, warum wir überhaupt lügen, in einem Wort zusammenfasse und euch die Fachbegriffe der verschiedenen Arten von Lügen erspare, kommen dabei sechs Buchstaben heraus: S-C-H-U-T-Z
Wir verdrehen die Wahrheit in der Regel aus Selbstschutz oder manchmal auch, um andere Menschen zu schützen. Generell aber aus Angst vor möglichen Konsequenzen unserer Taten.
Schon kleine Kinder haben das sehr schnell raus.
„Ich bin das nicht gewesen“, sagen sie gerne, auch wenn die verschwundene Schokolade noch großflächig über ihre Gesichter verteilt ist. Im Laufe ihres Lebens werden sie nicht perfekt, aber zumindest besser und werden auch irgendwann tiefer in die Lügenkiste greifen, um Konflikte mit ihren Mitmenschen zu vermeiden. Selbst wenn es nur darum geht, ihre ehrliche Meinung zu vertreten (die sie ausgewählten Personen vielleicht sogar verraten) …
Und handelt es sich eigentlich schon um eine Lüge, wenn jemand wichtige Tatsachen einfach verschweigt? Vielleicht nicht im direkten Sinn, doch die Auswirkungen sind dieselben, wenn die zurückgehaltene Information bekannt wird. Und das wird sie in den meisten Fällen, da kennt das Schicksal nichts.

Die Wahrheit zu verbergen, eine Lüge aufrecht zu erhalten ist anstrengend, denn wir laufen ständig Gefahr, jemand könnte den Schwindel aufdecken.
Du bleibst bei deiner Unwahrheit, und das auf möglichst glaubhafte Weise, über eine verdammt lange Zeit! Nicht, dass dich später jemand auf deine Geschichte anspricht, die dir plötzlich ganz oder in Teilen entfallen ist. Es ist so leicht, auf einmal hast du dich in Widersprüche verstrickt oder Logiklücken in deine Story gebaut, die du ohne auffällig langes Nachdenken nicht zu schließen in der Lage bist. Dem geschulten Auge verraten sich Lügner ohnehin schon durch ihre Körpersprache.
Keine lange Nase wie bei Pinocchio, aber Vermeidung von Augenkontakt, wenig blinzeln, nervöse Handbewegungen und viele andere Details geben uns preis. Im Grunde müssten wir eine Videoaufzeichnung jeder wichtigen Unterhaltung anfertigen und uns unseren Gesprächspartner hinterher noch einmal in Zeitlupe anschauen, wenn wir sicher gehen wollen, ob unser Gegenüber es ehrlich mit uns meint.
Sicher gehen können wir jedoch selbst dann nicht, besteht doch die Möglichkeit, dass der andere seine Lüge schon oft genug wiederholt hat, um inzwischen selbst daran zu glauben! Nenn den Apfel nur lang genug Birne, bis sich das Wort „Apfel“ falsch auf deiner Zunge anfühlt, bis du dich selbst betrügst.

Was aber, wenn die wahre Identität der vermeintlichen Birne irgendwann doch ans Licht kommt? Spätestens dann ist vielleicht nicht Holland in Not, zumindest aber die der Lüge überführte Person.

In dem Moment, in dem der Schwindel enttarnt ist, wird immer jemand verletzt. Oder etwas. Mindestens nämlich das Vertrauen, das jemand in uns gesetzt hat. Oft aber auch Gefühle. Äußerst paradox, erfinden doch viele Menschen ihr persönliches Märchen, um jemand anderen eben NICHT zu verletzten. Leider mit dem gegenteiligen Effekt.
Das geschieht wohl am häufigsten in Beziehungen, wo meiner gewagten These zufolge am häufigsten gelogen wird. Nirgendwo sind so intensive Gefühle und so viele Erwartungen im Spiel, und genau deswegen ist keine Verbindung so zerbrechlich wie eine Liebesbeziehung. Was ist Liebe ohne Vertrauen? Oft verschweigen wir bestimmte Dinge oder reden sie schön, um genau dieses Vertrauen nicht zu verlieren. Aber wehe, es verplappert sich jemand, und der oder die Liebste erfährt nebenbei, dass man die Schwiegermutter in spe nicht „liebenswert“ findet, sondern sie am liebsten per Expresssendung nach Grönland exportieren würde, den besten Freund des Partners für ein oberflächliches Arschloch hält oder neulich Abend nicht mit Steffi, sondern eher mit Stefan essen war!
Autsch, das tut mindestens fünf Mal mehr weh, als hätten wir gleich mit offenen Karten gespielt, und der Plan, dem anderen nicht weh zu tun, ist ganz schön nach hinten losgegangen. Ein Teufelskreis.

Solche Wahrheiten auszusprechen, die den anderen mit Sicherheit alles andere als begeistern, erfordert Mut. Folglich handelt es sich bei dem, der sich in die Bequemlichkeit der Lüge flüchtet, um einen kleinen (oder großen) Feigling.

Oder schlicht und ergreifend um ein ziemliches Arschloch! Diese Gattung von Realitätsmodifizierern findet sich bevorzugt im Arbeitsumfeld. Zwischen hierarchischen Strukturen, Kompetenzbereichen, Aufgabenverteilung und übertriebenem Ehrgeiz können wir uns die Menschen, mit denen wir täglich zu tun haben, leider nicht aussuchen. Nicht alle sind Sympathieträger, und viele Kollegen kennen wir weder lang noch gut genug, um sie wirklich einschätzen zu können. Und selbst wenn wir schon eine Weile zusammen arbeiten, erreichen die allermeisten nie den Status von Freunden. „Guten Kollegen“ sind sie jedoch, denen wir im Arbeitsumfeld auch unser Vertrauen schenken.
Und während uns Vorgesetzte, denen die meisten von uns ein gesundes Grundmisstrauen entgegenbringen, oft mit nichts mehr schocken können, tut es doppelt weh, wenn ein als vertrauenswürdig eingestufter Kollege uns betrügt und enttäuscht. Schließlich können wir uns nicht einfach von ihm trennen! Stattdessen säen solche Vorkommnisse, gerade in gehäufter Zahl, eine gewisse Paranoia. Wem kann ich überhaupt noch trauen, wenn jeder etwas anderes erzählt?! Frei nach dem alten Akte X Motto:
„Traue niemandem!“ und „Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.“

Wenn Verschwörungstheorien im Büro, in der Beziehung oder der Familie (letzte stellt quasi eine Mischung aus Beziehung und Arbeit da: Es sind viele Gefühle im Spiel, aber einfach trennen kann man sich von Verwandten auch nicht wirklich, noch können wir sie uns aussuchen) mich in den Wahnsinn treiben, flüchte ich mich immer in die (hoffentlich) lügenfreieste Zone meines Freundeskreises. Darum nennen wir sie schließlich wahre Freunde, weil wir mit ihnen über ALLES reden können.
Ängste, Beziehungen, ungeplante Schwangerschaften, Hoffnungen, Probleme, Pläne, Meinungen, einfach alles! Sie sind nicht nur da, um uns zu unterstützen, sondern auch, um uns bei Bedarf den Kopf zu waschen. Und selbst, wenn wir ihnen gegenüber einen Fehler begehen, wissen wir um die hohe Wahrscheinlichkeit, dass uns vergeben werden wird. Kurz gesagt: Wenn wir mit ihnen zusammen sind, können wir sowohl zugeben, wie beschissen wir uns gerade fühlen, als auch ehrlich sagen, dass die neue Hose an der besten Freundin nen fetten Hintern macht.
Diese ganze Höflichkeitsschwindelei, Intrigen und Verschleierungstaktiken liegen mir ohnehin nicht. Und obwohl ich in der neunten Klasse die Frage meines Englischlehrers:
„Kannst du lügen, ohne rot zu werden?“ ohne mit der Wimper zu zucken mit „Ja!“ beantwortet habe, würde ich heute sagen, das war glatt gelogen. :-)
Meine Gedanken und Gefühle stehen mir meist unfreiwillig ins Gesicht tätowiert, und wenn ich auch nur zu einer Lüge ansetze, geht über meinem Kopf eine für alles sichtbare Signallampe an. Verdammt.
Sei’s drum, so lebt es sich entspannter. Und da zuviel Misstrauen nur zu schlimmen Kopfschmerzen führt, verlasse ich mich auf meine Menschenkenntnis und vertraue meist so lange, bis mir jemand das Gegenteil beweist.

So Leute, wenn ich ganz ehrlich bin, reicht es mir für heute mit dem Schreiben. Ups, hätte ich das jetzt nicht schreiben sollen? ;-)
Naja, ganz ohne kleine Halb- und Unwahrheiten gäbe es wohl unnötig viel Mord und Totschlag. Aber darüber hinaus, denkt dran:
Immer schön bei der Wahrheit bleiben, lieber für jede Lüge, die über eure Lippen will, einmal mehr an Sex denken ;-) !
Und belügt ja nicht den allerwichtigsten Menschen in eurem Leben: euch selbst. Ehrlich währt am längsten …

xoxo



{Februar 27, 2012}   Wurzelgemüse mit Wandertrieb

Das Leben ist wie ein Einwanderungsantrag: Du weißt nie, ob dir noch jemand einen Strich durch deine Pläne macht. Aber selbst wenn nicht, hast du am Ende keine Ahnung, auf was du dich da einlässt und wo im Zweifelsfall der verdammte „Rückgängig“-Button ist!

Insgeheim hatte ich es immer befürchtet.
Wenn das Land meiner Träume wirklich so schön wäre, wie ich es mir immer vorgestellt habe, vielleicht würde ich dort bleiben wollen. Einfach zu Hause noch ein paar Sachen packen und in Neuseeland noch mal ganz neu anfangen.
Im Nachhinein weiß ich nicht, wovor ich mehr Angst hatte: Vor meiner potenziellen Auswanderungssehnsucht oder vor einer Enttäuschung. Davor, dass das andere Ende der Welt nicht das Paradies wäre, von dem ich mehr als zehn Jahre lang geträumt hatte.
Letztere Befürchtung erwies sich als lächerlich. Wie könnte jemand über das Land der Vulkane und Schafe nicht ins Schwärmen geraten? Und so erwischte ich mich kurz vor unserem Abschied von der Südinsel, an der schmerzhaft schönen Küste von South Bay, bei von Abschiedsschmerz getriebenen Emigrationsgedanken.
Ich sollte weg von dort?! Absolut unmöglich! Könnte ich nicht auch hier einen Job finden? Und wenn, wo genau würde ich leben wollen? Wie lang war noch gleich meine Kündigungsfrist zu Hause (verdammt, zu lange)? Könnte ich mir einen Neuanfang finanziell leisten? Würde ich in der neuen Heimat schnell Anschluss, Freunde finden?

Stopp, genau liegt der Punkt.

Mal ganz abgesehen von den materiellen Aspekten, mit denen ein Umzug nach Übersee verbunden ist … Auswandern, könnte ich das überhaupt, also unter dem emotionalen Gesichtspunkt?
Schließlich würde es bedeuten, alle geliebten Menschen, Freunde, Familie, zurückzulassen. Nicht mehr Teil ihres täglichen Lebens zu sein, und sie nicht mehr Teil des meinen. Es hieße, all die witzigen, wichtigen, aber auch traurigen Momente miteinander zu verpassen. Die Kinder nicht aufwachsen zu sehen. Nicht da zu sein, wenn ich gebraucht werde und nicht zu den Menschen gehen zu können, zu denen es mich zieht, wenn ich jemanden brauche.
Tja, damit gehöre ich wohl zu derjenigen von zwei Sorten Mensch, die sich ein Leben ohne ihre alten und engen sozialen Bande nicht vorstellen können.
Auf der anderen Seite stehen die, denen ich ihre Zuneigung zu Verwandten und Freunden nicht absprechen möchte, die jedoch ihre Freiheit und ihren Traum über alles andere stellen. Oder auch ihren Job. Dafür ist nicht mal eine Auswanderung nötig.

„Ich liebe es unterwegs zu sein und Leute zu treffen. Der Preis dafür ist, dass es nahezu unmöglich ist, engen Kontakt zu Freunden zu halten. Die meisten verlierst du“, erzählte mir einer unserer Tourguides im Gespräch. Auch darauf, seine zwei erwachsenen Kinder regelmäßig zu sehen, verzichtet er zugunsten seiner Arbeit, die ihn oft wochenlang zu Zuhause fern hält. Er will es so. Weil er liebt, was er tut.
In gewisser Weise bewundere ich seine Einstellung, auch wenn ich mich trotzdem frage, wie sowas geht.
Zumal einer seiner Kollegen aus genau diesem Grund den Job an den Nagel hängen will.
„In diesem Beruf ist es fast unmöglich, eine feste Beziehung aufrecht zu erhalten“, sagt er mit einem gequälten Lächeln.
Ich kann ihn verstehen, auf die Dauer würde ich das Gleiche tun. Nicht nur für die Liebe.

So konkurrieren in mir also zwei Dinge, die mich glücklich machen.
Doch für mich sind es am Ende die Menschen in meinem Leben, die es erst lebenswert machen und mich hier verwurzeln. Denn auf lange Sicht wäre das Land meiner Träume nur halb so schön, wenn ich es nicht mit ihnen teilen könnte. Alle in einen Koffer stopfen und mitnehmen geht ja leider nicht.
Also wohl erstmal kein Auswandern …

Verdammt, ich bin Wurzelgemüse mit Wandertrieb, wie passt das bloß zusammen? :-)
Aber wer weiß … Theoretische Überlegungen und scheinbar feststehende Standpunkte können erfahrungsgemäß schnell kippen, wenn plötzlich ein praktisches Angebot oder gar der Partner (oder Kiwi) des Lebens vor der Tür stehen!
Also warten wir ab … ;-)
Und wie steht’s mit eurem Fernweh?

xoxo

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et cetera
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